Öffentliche Diskurse sind voll von Themen wie „Digitalisierung“, „digitale Transformation“, „Social Media“ und vieles mehr. Lebenswelt und damit vor allem Arbeits- und Kompetenzwelten sind, mal mehr, mal weniger, geprägt von digitalen Momenten – der Digitalisierung. Hier gibt es Gefahren, Vorbehalte und der Ruf nach „weniger“ digital und mehr „echt“.

Eine Antwort bietet der Ansatz der Digitalität: Digitalität als Wortschöpfung von Digital und Realität zeigt, wie die Grenzen zwischen „analog“ (im Sinne von offline, traditionelle Medien) und „digital“ (im Sinne von online, neue Medien) immer mehr verschwimmen, beides ist „echt” (siehe Wikipedia, Schier 2018):

  • (digitales) Mobbing in einer Whatsapp-Gruppe hat „echte“ Auswirkungen in der (analogen) Lebenswelt betroffener junger Menschen.
  • Die ständige (digitale) Informationsüberflutung und der hohe Kommunikationsdruck führen zu (analogen) Stressreaktionen
  • Ortsbezogene Smartphone-Spiele führen zu realer Bewegung und echtem Gewichtsverlust.

Lebenswelten nicht nur junger Menschen sind im 21. Jahrhundert digital und analog – und nicht entweder/oder – beides ist echt und wirkt aufeinander ein. Digitalität gibt diesem Phänomen einen Namen. Digitalität meint die ausgewogene (gesunde) Balance zwischen digitalen und analogen Lebenswelten.

Digitalität meint dann auch den Einsatz von Methoden und Themen in digital-analoger Balance. Digitalität ist dabei keine Methode (wie die Theater- oder auch Medienpädagogik), sondern ein Grundansatz, eine Haltung ähnlich, wie die Salutogenese.

Wenn Digitalisierung die technische Komponente/Entwicklung meint, vereint Digitalität Mensch und Technik: denn in Zeiten von Digitalität (also heute) gehören Medien- und Sozialkompetenz als gemeinsame Gesundheitskompetenz unweigerlich zusammen.

Digitalität ist die Verbindung von Mensch und Technik und damit der nächsten Schritt – die Weiterentwicklung von Digitalisierung: die Vernetzung von digital und analog, Tradition und Innovation.

Digitalität heißt digital-analoges Augenmaß in Arbeits- und Kompetenzwelten.

Oder anders formuliert: Es wird Zeit digitale Chancen und analoge Potentiale gleichsam zu nutzen – nur so gelingt ein erfolgreicher Umgang mit dem Wandel.

In Digitalität stehen Identität und Kompetenz im Mittelpunkt

Identität bezieht sich auf Person und Organisation im Sinne von „ich bin etwas als Teil eines Ganzen und zeige dies“. Arbeit in Digitalität muss sich entsprechend an Identitäten richten: individuell, vernetzt, ästhetisch.

Kompetenz meint ganz vereinfacht ausgedrückt: „ich kann etwas gut“ – wer ist dieses „ich“? was meint dieses „etwas“? wer entscheidet, was „gut“ bedeutet? Kompetenzen sind immer Kontext bezogen – wie die Tools in Digitalität.